Nach einer langen und belastenden U16 Saison genoss Leni am ersten Septemberwochenende in Hannover ihren ersten Start bei Deutschen Meisterschaften. Das Wettkampfangebot der U16 ist traditionsgemäß reichlich. So kommen in dieser Altersklasse erstmals die Badischen Einzelmeisterschaften, die Badischen Mehrkampfmeisterschaften, die Süddeutschen Meisterschaften sowie die Deutschen Meisterschaften im Mehrkampf hinzu. Bestehen bleibt dabei das bekannte Wettkampfangebot aus der U14 mit Block- und Teamwettkämpfen,
wodurch der Wettkampfkalender der U16 der anspruchsvollste aller Altersklassen ist, ehe zur U18 wieder eine Ausdünnung der Wettkämpfe stattfindet.
So startete Leni bereits am 23.04. mit der Kreismeisterschaft Hammerwurf in die Sommersaison und qualifizierte sich Mitte Mai in Ettlingen bereits für die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften. Es folgten Titel bei den Badischen Mehrkampfmeisterschaften im Siebenkampf sowie bei den Badischen Meisterschaften der Einzeldisziplinen im Kugelstoßen. Auf einen Start bei den
Süddeutschen Meisterschaften sowie den Badischen Blockmeisterschaften verzichtete das Team um Leni gerne um ihr ab Mitte / Ende Juli eine Pause zu gönnen, damit dann Mitte August noch einmal 2-3 Wochen eine Vorbereitung auf den Start bei den Deutschen Meisterschaften zu ermöglichen. Leni nutzte ihre Pause zu dem, was jugendliche U16 Athleten am besten können…zum Wachsen.
So stand Leni Mitte August gut erholt und körperlich gereift auf dem Trainingsplatz, jedoch meldeten sich bei intensiverem Training die Knie…
…Wachstumsschmerzen. Durchaus üblich in diesem Alter. So entschloss man sich das Training 2-3x die Woche locker anzugehen, um etwas im Rhythmus zu
bleiben, an der ein oder anderen Technikbaustelle zu feilen und letztlich mit einem guten Gefühl nach Hannover zu reisen. Eine Chance auf vordere Platzierungen bestand sowieso zu keinem Zeitpunkt. Die führenden Athletinnen in dieser Altersklasse gehören körperlich zu den weiterentwickelten Damen in ihrer Altersklasse und absolvieren, zumeist, bereits ein deutlich höheres Trainingspensum. Wahrscheinlich auch über den gesamten Sommer hinweg, mit dem Ziel DM in Hannover. So einigten sich Leni, Trainerteam und Eltern darauf den Start als Lernstart für die Zukunft und Belohnung für Lenis großartigen Einsatz zu betrachten und die Atmosphäre vor Ort zu genießen. Was mit fast sechs Wochen Trainingspause möglich war, würde man sehen. Jedoch wurde das Ziel formuliert eine neue Speerwurfbestleistung anzugehen. Nach einer ruhig verlaufenden Anreise am Donnerstag und einem kleinen Auftakt in einem örtlichen
Park, stand am Freitag der erste Tag des Siebenkampfes an:
Tag 1:
Die erste Disziplin des Siebenkampfes ist traditionell der Hürdensprint.
Relativ spät, um 14:30 Uhr, fiel hier der Startschuss für die W14 Athletinnen.
Vorausschauend ließ man bereits das Aufwärmen lockerer als gewohnt angehen und beschränkte sich in erster Linie auf Technikübungen, um Körner zu sparen und das Knie zu schonen. In der Vorwoche sahen die wenigen Hürdenüberquerungen sehr solide aus, wobei auch das Nachziehbein technisch verbessert wirkte. Im Wettkampf selbst standen dann 13,26s zu buche, langsamer als die persönliche Bestzeit von 12,92 s, jedoch völlig im Rahmen, fehlte doch gerade auf dem zweiten Teil der 80m Strecke etwas die Spritzigkeit. Nach einer Stunde Pause folgte der Hochsprung. Nicht unbedingt Lenis Lieblingsdisziplin, zudem als Sprungdisziplin belastend für das Knie. Zum Aufwärmen gab es zur Anlaufkontrolle nur einen Probesprung gefolgt von einem Wettkampfeinstieg bei 1,31m. Die Höhen von 1,31 bis 1,37m nahm Leni alle direkt im ersten Versuch, in tollem Stil. Auch für das Knie gab Leni einen Daumen hoch, sodass man sich den 1,40m widmete. Die ersten beiden Sprünge waren als schön zu bezeichnen und man konnte hier bereits Potential für deutlich höhere Sprünge erkennen. Dennoch ungültig. Leider im Anlauf zu schnell und daher deutlich zu nah an der Latte. Hochsprunganlauf muss eben optimal schnell und nicht maximal schnell erfolgen.
Im dritten Versuch zeigte Leni, dass sie in der Lage ist technische Anweisungen direkt umzusetzen. So lief sie hier mit einem „druckvoll-bouncy“ Anlauf optimal schnell an und legte eine optimale Lattenüberquerung über die 1,40m hin. Sicherlich hätte man mit weiteren Sprüngen die Bestleistung von 1,44m angreifen können, vermutlich sogar mit guten Erfolgsaussichten, jedoch entschied das
Team sich dazu, Lenis Körpergefühl folgend, auf weitere Sprünge zu verzichten und meldete sich beim Kampfgericht ab. Die anschließende zweistündige Pause verbrachte die Steinbacher Reisegruppe mit Essen und Vorfreude auf die beiden Lieblingsdisziplinen Kugelstoßen und 100m. Beim Kugelstoßen lies es die letzten Wettkämpfe im Juli sehr gut. Badische Meisterin und Bestleistung von 9,98m. Hier waren die Hoffnungen bei allen Beteiligten hoch, schließlich konnte man beim
Kugelstoßen auch richtig durchziehen. Was folgte war jedoch ein klarer Dämpfer für Leni und das Trainerteam. So sorgte bereits das Einstoßen für Verwunderung, waren die Stöße doch fast als Würfe zu bezeichnen. Auch mit zunehmendem Wettkampfverlauf wurde es nicht besser. Bereits der erste Stoß von 8,94m sollte
bereits der weiteste Stoß sein. Über einen Meter unter der Bestleistung, Ratlosigkeit bei Trainer und Athletin. So hieß es Mund abwischen und Fokus auf die nächste Disziplin. Spätestens in der nächsten Hallensaison wird die Kugel wieder weit fliegen.Bei deutlich abgekühlten Temperaturen und sorgenvollem Blick gen Himmel fanden um 19:15 Uhr die 100m Sprints statt. Ein Erreichen von Lenis Bestzeit (12,83s) bei diesen Bedingungen von vornherein unrealistisch.
Auch den anderen Mädels erging es hier nicht besser, denn auch wenn Lenis Zeit von 13,29s sich nicht sonderlich gut liest, so war sie doch die siebschnellste Sprinterin aus dem Feld von 32 Athletinnen. Aufgrund der Trainingspause war der Start technisch nicht passend, was Leni auch direkt nach dem Rennen monierte, jedoch für die Verhältnisse und im Vergleich mit der Konkurrenz ist der Sprint
durchaus als gelungen zu bezeichnen. Bis auf das Kugelstoßen insgesamt ein zufriedenstellender erster Wettkampftag.
Tag 2
Früh am Morgen begann die Anreise ans Stadion, musste die Reisegruppe doch, aufgrund des stattfindenden Triathlons, einige Straßensperren umfahren und einen Parkplatz finden. Etwas unausgeschlafen und nicht sonderlich spritzig, gestaltete sich auch der schattig gelegene Weitsprung. Bereits beim Aufwärmen merkte Leni bei den Hopserläufen leicht das Knie, weswegen das Team sich für nur eine Anlaufkontrolle und einen Wettkampfsprung entschied. Bereits nach dem Einsprung war klar: Anlauf massiv kürzen, der normale Wettkampfanlauf ist nicht zu realisieren. Jedoch hatte diese Maßnahme nicht den gewünschten Effekt. Es folgte ein Sprung auf 4m bei deutlichem Abstand zum Brett, sodass man sich notgedrungen zu einem weiteren Sprung entschied. Die 4m wollte man so dann doch nicht stehen lassen. Auch ein nochmals gekürzter Anlauf sorgte nicht dafür, dass man annähernd das Brett traf. 4,26m stehen hier zu buche. Auf den dritten Sprung verzichtete man im Anschluss. Hier zeigte sich die Trainingspause doch deutlich, fehlte es zum Auftakt des zweiten Wettkampftages deutlich an frischen Beinen. Insgesamt lässt sich das Ergebnis jedoch erklären und einordnen. Vom Brett wären die Sprünge in Regionen von 4,60m gegangen. Bei einer PB von 4,87m. kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Es folgte der Speerwurf mit einer PB von 24,59m. Hier hatte man die letzten Wochen im Training technisch doch einiges erreicht und es geschafft ein Verständnis für die Fehlerbilder zu entwickeln, mit durchaus weiten Trainingswürfen. Der erste Wurf kann getrost als kraftvoll, aber vogelwild beschrieben werden, immerhin überschlug sich der Speer in der Luft fast. Beide Fehlerbilder, ein zu niedriger Arm sowie das Wegbrechen der
linken Körperseite, traten hier im selben Wurf auf. Im zweiten Wurf ging es deutlich weiter, immerhin war der Arm hier im Anlauf erkennbar weiter oben. So landete der Speer hier bei 24,10m, jedoch flog der Speer erneut deutlich nach rechts, da die linke Körperseite nicht stabil blieb, sondern sich nach links zur Seite neigte. Im dritten Versuch gelang Leni der richtige Ablauf und der Speer flog schnurrgerade auf 24,42m und somit 17cm unter Bestleistung. Schade, dass es im Mehrkampf nur drei Versuche gibt, deutlich weitere Würfe wären für Leni sicherlich möglich gewesen. Insgesamt bleibt nach dem Speer ein positives Fazit und weitere, technisch saubere, Würfe scheinen nur eine Frage von Zeit und Training. Den Abschluss eines jeden Siebenkampfes bildet der 800m Lauf, eine Willensprüfung nach zwei harten Wettkampftagen. Eigentlich genau Lenis Ding. Jedoch nicht aufgrund einer guten Mittelstreckenveranlagung, oder einer Liebe zum 800m Lauf, sondern aufgrund ihres Willens sich zu quälen sowie bei ihrem ersten Siebenkampf Mitte Mai in Ettlingen als Leni sich in großartigen 2:38min ins Ziel kämpfte. Dieses Mal jedoch schaute Leni von außen zu und feuerte die Mitstreiterinnen auf ihren letzten beiden Stadionrunden an. Gerne wäre Leni die 800m mitgelaufen, jedoch gab es von Trainerseite kein okay dafür, da sich das Knie im Lauf gemeldet hätte und ein Laufen mit somit nur unter Schmerzen möglich gewesen wäre. Nach Beendigung des Wettkampfes gab es Fotosession, Siegerehrung und Eisbad, welche Leni gemeinsam mit den anderen Athletinnen zelebrierte. Insgesamt ein lehrreicher, aber auch anstrengender Ausflug, bei welchem Leni Kontakt zu ihren Mitstreiterinnen knüpfen und den Ablauf einer Deutschen Meisterschaft kennen lernte konnte. Unter den gegebenen Umständen waren die Ergebnisse, mit Ausnahme des Kugelstoßes, sicherlich als erwartbar und zufriedenstellend einzuord
